Eltern und Familie

    Erste Zeit zu Dritt
    Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr!
    Wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Und jeder, der schon einmal Eltern(teil) geworden ist, weiß auch, dass er stimmt (mal abgesehen von der Geburt).


    Zurück in ein neues Leben - Checkliste für den Vater

    Eine besondere Situation ist es, wenn die frischgebackene Mutter mit ihrem Baby zum ersten Mal heimkommt. Wie die Frau diese Situation erlebt, liegt in erster Linie an Ihnen, liebe Väter. Wir haben Ihnen eine Checkliste zusammengestellt, was alles erledigt sein sollte, wenn Ihre Frau nach Hause kommt, damit dies für alle ein unvergesslich schönes Erlebnis wird:
    •    Ist der Boden gefegt/gesaugt? 
    •    Ist die Wäsche gewaschen (gebügelt) und weggeräumt? 
    •    Ist die Küche aufgeräumt und 
    •    sind die Betten gemacht?
    •    Sind die Blumen gegossen?
    •    Haben Sie an einen Willkommensstrauß gedacht?
    •    Ist der Kühlschrank mit den Lieblingsspeisen (Milch, Butter, Käse, Aufschnitt, …) Ihrer Frau gefüllt?
    •    Haben Sie für die nächsten zwei Tage vorgekocht/Fertigmahlzeiten zuhause? 
    •    Haben Sie milde Obstsorten (Bananen, Äpfel) und Salat (Möhren, Gurken) im Haus? 
    •    Ein paar Beutel Milchbildungstee aus der Apotheke und 2-3 Flaschen Malzbier sind eventuell sinnvoll
    •    Ist für das Baby alles bereit? Der Wickeltisch eingerichtet, genügend Windeln vorhanden?
          Das Bettchen bezogen?
    •    Ein Schnuller und eine Teeflasche (je die kleinste Größe) sollten im Hause sein – und wenn das Baby Säuglingsmilchnahrung bekommt, benötigen Sie zusätzlich eine Flaschengrundausrüstung (4 Milchflaschen mit Saugern, Reinigungsbürste z.B. von NUK)

    Eltern sein heißt: Teamarbeit

    Sind das Baby und die junge Mutter zuhause, ist Teamarbeit gefragt, denn es fällt oft viel mehr Arbeit an, als man sich geträumt hat. Das Baby fordert den größten Teil Ihrer Aufmerksamkeit, die Sie ihm auch gern zukommen lassen, denn voller Stolz beobachten Sie jeden Fortschritt, den es täglich macht: das erste Lächeln, das erste willentliche Ergreifen Ihrer Hand, ... Doch zunehmend werden Sie oder/und Ihr Partner auch wieder Zeit für sich benötigen. Dies sollten Sie sich von Anfang an eingestehen und sich auch diese Zeit nehmen - für sich und Ihre Partnerschaft.


    Geld

    Der oft nur halbe Lohn muss nun für ein Familienmitglied mehr reichen - das ist anfangs sicher nicht leicht. Aber es stehen Ihnen verschiedene öffentliche Hilfen zur Verfügung, die Ihre Haushaltskasse etwas aufbessern:
    •    Erziehungsgeld (vom Versorgungsamt)
    •    Kindergeld (vom Arbeitsamt) 
    •    Sozialhilfe (vom Sozialamt) 
    •    Mutterschaftsgeld (von der Krankenkasse)
    •    Wohngeld (von der Wohngeldstelle beim Wohnungsamt)
    •    Unterhaltsvorschusskasse (vom Jugendamt)
    •    Ermäßigter Kindergartenbeitrag (vom Jugendamt)
    •    Stundung von BAföG-Rückzahlungen usw. (vom Studentenwerk)
    •    Bischofsfonds (katholische Familienberatungsstellen)
    •    Kommunale Stiftungen, Landes- und Bundesfonds "Mutter und Kind" (von Beratungsstellen für Familienplanung)
    Darüber hinaus können Sie auch Geld sparen mit:
    •    Guthaben-Konto: Richten Sie sich keinen Dispotkredit ein, denn wenn es im Soll ist, wird die Kontoführung richtig teuer.
    •    Schuldnerberatungen ... sollten Sie in Anspruch nehmen, wenn Sie Schulden haben - denn es hilft Ihnen und Ihrer Familie nicht, wenn Sie den Kopf in den Sand stecken - davon verschwinden die Schulden nicht wirklich. Schuldnerberatungen gibt es in vielen Städten und Kreisen
    •    Familienferien: Kinder brauchen keine exotischen Reiseziele mit kilometerweiten weißen Sandstränden und türkisblauem Meer. Ihnen genügen ein Bach, Kieselstein, ein kleiner Strand am Baggersee und ENTSPANNTE Eltern. Empfehlenswert für den Urlaub mit Kindern ist eine Ferienwohnung oder ein Campingurlaub oder ein Bauernhof (v.a. wenn die Kids schon ein paar Jahre alt sind). Manche Bundesländer bezuschussen bestimmte Familienferienprogramme. Erkundigen Sie sich doch einmal bei Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis.


    Beziehungen

    Sie fühlt sich mit der Babypflege überfordert, Er fühlt sich ausgeschlossen. Das muss nicht so sein. Sprechen Sie sich in der ersten Zeit mit Baby ab, wer was wann macht, z.B. wenn er (die Regel) arbeitet, kann er abends das Kind baden/waschen, wickeln, füttern und/oder ins Bett bringen. Vielleicht hat sie sonntags keine Lust auf einen Spaziergang und möchte sich einfach nur ausruhen, weil sie das Kind nicht mehr sehen kann (auch wenn sie es dann gleich wieder bei sich haben will), dann sollte Papa mal alleine mit Sohnemann oder Tochter spazieren fahren.
    Für den daheimgebliebenen Elternteil gilt: geben Sie Ihrem Partner die Chance, auch täglich einige Zeit mit dem Kind zu verbringen.

    Für den arbeitenden Elternteil gilt: gönnen Sie Ihrem Partner von Zeit zu Zeit eine babyfreie Zeit, z.B. für den Sport oder ein Bad am Abend - und "fordern Sie Ihr Recht als Elternteil ein": zeigen Sie, dass Sie auch Zeit mit dem Baby verbringen möchten.

    Sind beide zuhause: verteilen Sie Freud und Leid gerecht: Mama sollte nicht nur Wickeln, Füttern und Wäschewaschen zuständig sein und Papa nicht nur für´s Spazierengehen und Spielen. Sprechen Sie am besten ab, wer was gern macht und wenn beide etwas nicht gern machen, dann müssen diese "Arbeiten" eben abwechselnd verrichtet werden.

    Was tun, wenn die Paarbeziehung immer mehr ins Hintertreffen gerät? Zunächst: jeder braucht Zeit für sich, jeder braucht Zeit für sich und das Baby und beide brauchen "Beziehungszeit": nehmen Sie sich mindestens einmal pro Woche Zeit für Ihre Beziehung: was bewegt den anderen, was befürchtet er, etc.


    Liebe

    Ihr Liebesleben wird in der ersten Zeit wahrscheinlich etwas brach liegen. Das gibt sich aber normalerweise wieder, wenn Sie sich an das Leben zu Dritt etwas gewöhnt haben und die Narben der Entbindung verheilt sind. Dann erleben viele Paare das erste Mal nach der Geburt als besonders schön. Sie brauchen auch keine Hemmungen zu haben, weil das Baby vielleicht im Bettchen gleich neben Ihrem Bett schläft - es wird, wenn es schläft nichts merken und falls doch, so wird es keinen Schaden davon tragen. Wenn es IHNEN allerdings unangenehm ist und Sie sich gestört fühlen, dann schieben Sie das Babybettchen einfach für eine kurze Zeit aus dem Zimmer oder Sie suchen sich ein anderes Liebesnest (z.B. im Wohnzimmer). Akzeptieren Sie beide, dass Sie sich in einer Zeit der tiefen, fürsorglichen Liebe zum Kind und weniger in einer Hoch-Zeit der sexuellen Liebe zwischen Frau und Mann befinden.

    Ein Geschwisterchen für unser Kleines?
    Viele Eltern stehen irgendwann vor dieser Frage. Und wenn man sich dafür entschieden hat, so steht als nächstes die Frage im Raum, wann ist denn der beste Zeitpunkt? Wie werden wir mit dem „Großen“, das vielleicht selbst noch klein ist, umgehen? Kann man zwei oder mehr Kinder gleichermaßen lieben? Diesen und ähnlichen Fragen möchten wir mit dem folgenden Artikel nachgehen.


    Fakten

    In ca. der Hälfte aller Familien mit Kindern wachsen Einzelkinder auf. Die Lebensläufe von Einzel- und Geschwisterkinder unterscheiden sich nicht – egal ob unauffällig oder problembehaftet. Das genetische Material von Geschwistern ist durchschnittlich zu 50% gleich.


    Die Geschwisterbeziehung

    … gilt als die längste Beziehung im Leben eines Menschen. Sie ist etwas Schicksalhaftes, da man sie sich nicht aussuchen kann, sondern in sie hineingeboren wird. Sie wirkt selbst dann noch fort, wenn zwischen den Geschwistern kein Kontakt mehr besteht. Oft ist sie gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Intimität, das in keiner anderen Beziehung erreicht wird. Typisch ist für sie eine tiefverwurzelte emotionale Ambivalenz mit intensivsten positiven (Liebe) und negativen (Hass) Gefühlen.

    Zunächst ist es die Aufgabe der Eltern, einer Beziehung zwischen den Geschwistern den Weg zu ebnen: bis etwa zum 16./17. Lebensmonat des jüngeren Kindes müssen sie den Ansprüchen beider Kinder gerecht werden und damit die Geschwisterbeziehung regeln. Bis zirka zum vollendeten 2. Lebensjahr etabliert sich zwischen den Geschwistern eine Beziehung, die auch unabhängig von elterlichen Einflüssen eine Eigendynamik bekommt. Allerdings spielt das elterliche Verhalten in der gesamten Kindheit eine entscheidende Rolle für die Qualität der Geschwisterbeziehung. Förderlich für die Anhänglichkeit der Kinder untereinander ist eine sichere und verlässliche Bindung beider Geschwister an die Mutter.

    Die Beziehung zwischen den Geschwistern wurde in Untersuchungen umso schlechter bewertet, je stärker eine Ungleichbehandlung durch Mutter und/oder Vater ausfiel, insbesondere dann, wenn die Ungleichbehandlung nicht auf Alters- bzw. Bedürfnisunterschiede zurückgeführt wurde.


    Geschwister - ein Leben lang!

    Wie oben bereits erwähnt, besteht die Geschwisterbeziehung ein Leben lang. Allerdings ändern sich die Schwerpunkte in der Beziehung, wie folgende Auflistung zeigt:
    Kindheit und Jugend: In der ersten Zeit dominiert eine wechselseitige emotionale Unterstützung sowie der Aufbau von Kamerad- und Freundschaft: ältere helfen jüngeren Geschwistern, man erweist sich kleine Gefälligkeiten, steht sich einander bei und solidarisiert sich gegenüber Dritten (z.B. Eltern). Typische Rivalitätsthemen sind jetzt: Kontrolle, Dominanz und Reife


    Frühes und mittleres Erwachsenenalter: Auch jetzt stehen wieder Kameradschaft und gegenseitige gefühlsmäßige Unterstützung im Vordergrund – in Krisensituationen ist Beistand und Hilfe angezeigt; daneben übernimmt man gemeinsam die Pflicht des Sich-Kümmerns um die alternden Eltern. Typische Rivalitätsthemen sind jetzt: beruflicher Erfolg und Anerkennung (v.a. Brüder) neben physischer Attraktivität und Fitness; zunehmend entfachen sich Auseinandersetzungen auch an familienbezogenen und einstellungs- sowie wertorientierten Themen

    Spätes Erwachsenenalter und höheres Alter: Kameradschaft und wechselseitige emotionale Unterstützung sind (immer noch) besonders wichtig, man hilft sich in der Not, arbeitet evtl. alte Rivalitätsprobleme endgültig auf – man vermittelt einander das Gefühl, sich auf den anderen verlassen zu können. Typische Rivalitätsthemen sind: familienbezogene und einstellungs- sowie wertorientierte Themen


    Was sich liebt, das haut sich? - oder: Geschwisterrivalität und wie man ihr begegnet

    Geschwisterrivalität ist so alt wie die Menschheitsgeschichte: genauso wie heutige und künftige Geschwister rivalisierten bereits Kain und Abel in der Bibel miteinander. Die Wurzeln dieser Rivalität werden einerseits im beständigen Kampf der Geschwister um die Liebe und Zuneigung der Eltern gesehen. Dieser Kampf beginnt mit der Geburt des Geschwisters, wenn das Erstgeborene ein sog. „Entthronungstrauma“ durchlebt: es fühlt sich zurückgesetzt, muss teilen und steht nicht mehr im Mittelpunkt elterlicher Aufmerksamkeit. Das ältere Kind ist dem jüngeren Kind gegenüber eifersüchtig und tut sich schwer zu akzeptieren, dass die Mutter sich lange um das Kleine kümmern muss, mit diesem schmust, es tröstet, usw..

    Besonders groß erwies sich die Geschwisterrivalität bei gleichgeschlechtlichen (v.a. männlichen) und altersmäßig eng beieinander liegenden Geschwisterpaaren. Der Grund hierfür wird darin gesehen, dass sich Geschwister ständig miteinander vergleichen: im Bezug auf das Aussehen, Eigenschaften und Fähigkeiten und weil sie so häufig miteinander zu tun haben.

    Forscher fanden am häufigsten eine einseitige Rivalität: die schwächeren, d.h. sich unterlegen fühlenden, Geschwister rivalisieren mit den stärkeren (häufig älteren) Geschwistern, denen dies zum Teil gar nicht auffällt.

    Tipps für Eltern
    •    Vermeiden Sie unbedachte Bemerkungen, die die Eifersucht schüren könnten
    •    Heben Sie Unterschiede zwischen Ihren Kinder nicht ständig und nicht vor Ihren Kindern hervor („Der Kleine hat zwei linke Hände.“, „Die Große ist unsportlicher“)
    •    Behandeln Sie Ihre Kinder individuell - jedoch nicht bevorzugend oder benachteiligend
    Was sich liebt, das haut sich? Ja und nein. Untersuchungen in Kindergärten zeigen, dass gerade Kinder, die sich gern mögen oft aneinander geraten. Der Geschwisterstreit kann noch intensiver sein, weil das Geschwister als Trainingspartner für kindliche Bestrebungen zur eigenen Abgrenzung und Selbstbehauptung ist und die Kinder im Grunde wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Des Weiteren müssen die Rollen in der Familie ständig neu definiert werden – und Kinder benutzen nun einmal in erster Linie Hände und Füße, um ihre Position zu verteidigen oder gar zu stärken. Nicht selten versuchen zwei Geschwisterstreithähne die Mutter/den Vater jeweils gegen den anderen aufzubringen. Deshalb sollten sich Eltern so weit als möglich aus den Streitereien heraushalten und in keinem Fall für ein Kind Partei ergreifen. Allerdings sollten Sie eingreifen, wenn Sie merken, dass ein Kind offensichtlich den Kürzeren zieht, weil das andere so unfair wird, dass das „Schwächere“ ihm nicht mehr gewachsen ist. Es ist auffällig, dass der Streit dann besonders laut ist, wenn die Eltern in der Nähe sind. Warum? Die Kinder möchten mehr Aufmerksamkeit – deswegen ein kleiner Tipp: beachten Sie Streitereien weniger und beachten Sie Ihre Kinder vermehrt, wenn sie umgänglich sind. Und: vielleicht streiten Kinder ja nur wegen des schönen Gefühls der Versöhnung hinterher?!

    Tröstlich ist vielleicht auch, dass sich Geschwisterbeziehungen im Verlauf der mittleren und späten Kindheit normalerweise harmonisieren. Ein Grund hierfür liegt sicherlich darin, dass sich jedes Geschwister eigene Kontakte und Beziehungen sowie eigene Beschäftigungsvorlieben und Interessen ausbaut.


    Altersabstand

    Viele Familienpädagogen raten Eltern einen Altersabstand von 3 Jahren, weil dann die Geschwister häufig gut miteinander auskommen, nicht so oft miteinander rivalisieren und viel miteinander anfangen können.

    In Anlehnung an die Psychoanalytikerin Margret Mahler unterteilen Silbernagel und Lucassen die ersten drei Jahre in vier Phasen und stellen in ihrem Buch dar, was Ihr Kind in welchem Alter empfindet, wenn sich ein Geschwisterchen ankündigt:

    6 - 10 Monate: Zu diesem Zeitpunkt der ersten Loslösung von Mutter und Kind erlebt das Kind die Geburt eines Geschwisters als Einbruch in seine vertraute Welt, denn nun bestimmen nicht Mutter und Kind das Tempo der Ablösung sondern andere äußere Bedingungen – das zweite Kind wird als unklare Bedrohung erlebt.

    10 - 18 Monate: Das Interesse des Kindes richtet sich nun auf die Eroberung der Außenwelt – die Geburt wird nicht so negativ erlebt wie in der vorherigen Phase.

    18 - 24 Monate: Das Kind steht im Widerstreit zwischen dem Wunsch nach Selbständigkeit und nach unbegrenztem Versorgtwerden durch die Mutter. Und gerade dieser Punkt macht einem Kind in diesem Alter bei der Geburt eines Geschwisters sehr zu schaffen.

    älter als 2 Jahre: Je näher die Geburt an der vorherigen Phase stattfindet, desto eher wird das Kind verunsichert. Steht die Geburt des Geschwisterchens gegen Ende des 3. Lebensjahres dagegen an, wird nun die Beziehung zum Vater immer mehr als ausgleichendes Element akzeptiert.


    Schwanger - zum wiederholten Male

    So erlebt der Vater die zweite Schwangerschaft

    Während die erste Schwangerschaft von Neuem und Unbekanntem geprägt ist, kann die zweite Schwangerschaft vom Vater viel ruhiger angegangen werden: er weiß, wie (erotisch?) seine Frau mit dickem Bauch aussieht, dass sie teilweise unausstehlich ist, dass sie womöglich den sonderlichsten Geschmack entwickelt, dass sie ständig auf die Toilette muss … und dass das alles mit der Geburt vorbei ist. Dem Vater kommt nun ein besonders wichtiger Part zu: denn außer der Partnerin braucht jetzt vielmehr das Erstgeborene seinen Papa, weil es sich vernachlässigt und vielleicht auch verunsichert fühlt wegen seiner Stellung in der Familie (s.u.). In diesen Monaten kann ein besonders inniges Verhältnis zwischen Vater und Kind entstehen. Manche Väter sehen auch der Entbindung etwas entspannter entgegen, weil sie ungefähr wissen, was auf sie zukommt. Auch die Zeit nach der Entbindung wird nicht mehr so stark von der Angst geprägt sein, zu versagen: denn Väter haben sich beim ersten Kind entweder schon erprobt und bewährt oder sie freuen sich auf die zweite Chance, dieses Mal alles besser zu machen. Alles in allem wird die wiederholte Schwangerschaft vom werdenden Vater in der Regel gelassener angegangen.

    So können Sie Ihr „Großes“ an der Schwangerschaft teilhaben lassen

    Erzählen Sie Ihrem Kind nicht zu früh, dass ein Geschwisterchen kommt, denn es muss den Zeitraum bis zur Geburt mit dem Verstand erfassen können. Lassen Sie Ihr Kind an Ihrem wachsenden Bauch mit Händen und Ohren miterleben, wie das Baby wächst und sich bewegt. Vielleicht nützen Sie die Situation auch zur Aufklärung über Zeugung und Geburt – ein zu früh gibt es in diesem Falle nicht, denn was das Kind nicht versteht, vergisst es oder fragt später nochmals nach. Zum Üben macht dem Älteren eine Babypuppe mit Zubehör fast immer Freude. Lassen Sie Ihrem "Großen" aus seinen früheren Spielsachen die aussuchen, mit denen das Baby spielen darf.


    Mutterliebe - das bedeutet alle gleich lieb haben, aber nicht gleich behandeln!

    Jeder kommt mit dem Bedürfnis auf die Welt, von der uns umgebenden Umwelt, insbesondere der Familie, anerkannt, geachtet und geliebt zu werden. Das Kind lernt, sich so zu verhalten, dass es ausreichend Beachtung und Anerkennung erfährt. Wenn nun schon Geschwister da sind, versucht es, sich die Aufmerksamkeit der Eltern da zu sichern, wo es nicht schon das Geschwister tut. Dies ist ein Grund dafür, dass sich Geschwister unterschiedlich entwickeln: einem Trägen folgt ein Aktives, einem Aufsässigen ein Friedfertiges, usw. Deshalb: Bekennen Sie sich zur Ungleichbehandlung und geben Sie jedem Kind das was es braucht und nicht immer beiden dasselbe.


    So erleichtern Sie Ihrem „Großen“ die Situation

    Die Veränderung ist enorm: gestern noch das umsorgte Einzelkind, dem jeder Wunsch von den Augen abgelesen wurde, und heute große Schwester oder großer Bruder von einem laut schreienden Baby. Nicht immer klappt diese Umstellung problemlos. Wie Ihr Kind auf den Neuankömmling reagiert, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:
    •    sein Alter und Entwicklungsstand (s.o.)
    •    Temperament und Geschlecht des Kindes
    •    Stabilität des Vertrauensverhältnisses
    Ein paar Verhaltensmaßnahmen erleichtern die Umstellung darüber hinaus:
    •    Bewährt hat sich der Brauch, dass mit der Geburt des Geschwisterchens dem älteren Kind ein Geschenk gemacht wird – sozusagen im Namen des Babys
    •    Reservieren Sie bestimmte Privilegien für Ihr Erstgeborenes: eine bestimmte Sing-/ Vorlesestunde, eine Kuschelzeit vor dem Schlafengehen, die Turnstunde einmal pro Woche
    •    Sagen Sie Ihrem Erstgeborenen, dass so ein Baby einem auch manchmal ziemlich auf die Nerven geht und dass es als Spielkamerad zuerst noch nicht so gut brauchbar ist.
    •    Schicken Sie Ihr Ältestes nicht gerade dann in den Kindergarten, wenn das Geschwisterchen geboren wurde, denn dann fühlt es sich abgeschoben
    Trauen Sie Ihrem älteren Kind dem Umgang mit dem Neugeborenen zu – überfordern Sie es aber auch nicht mit Betreuungs- und Hilfsdiensten
    •    Ihr älteres Kind hat auch ein Recht darauf, klein zu sein! Verlangen Sie deshalb nicht, dass es von heute auf morgen vernünftig, einsichtig und selbständig ist, nur weil ein kleines Baby da ist!
    •    Geben Sie Ihrem „Großen“ ruhig wieder die Flasche und wickeln Sie es wieder, wenn es nötig ist – zeigen Sie ihm, das es Ihrer uneingeschränkten Zuneigung immer sicher sein kann
    •    Zeigen Sie Ihrem älteren Kind, dass Sie auch negative Gefühle gegenüber dem Geschwister akzeptieren – Sie möchten auch manchmal auf und davon, oder?! Wichtig ist nur die Art, wie diese Gefühle geäußert werden: wenn das größere das kleinere Kind ständig schlägt, ist dies sicher nicht zulässig, fragt das Ältere hingegen, ob Sie das Baby wieder zurückbringen können, dann reden Sie mit ihm darüber, das hilft dem kleinen „Großen“ sicher mehr, als wenn es seine Wut immer hinunter schlucken muss und der Groll sich aufstaut oder noch besser: nutzen Sie die Chance zu einer Liebeserklärung: „Ich kann Anna aber nicht zurückgeben. Ich hab sie doch genauso lieb wie dich. Und dich würde ich auch nie wieder hergeben!“
    •    Achten Sie darauf, dass das Ältere nicht zu kurz kommt, z.B. kann sich der Vater in den ersten Monaten in erster Linie um das „entthronte“ Kind kümmern – dann ist das Ältere vielleicht manchmal neidisch, aber es wird ganz gut damit zurecht kommen.
    •    Wenn nötig, gönnen Sie Ihren Kindern doch mal mehr Abstand voneinander, z.B. durch getrennte Zimmer oder eine bestimmte Zeitlänge, in der jeder das gemeinsame Zimmer für sich alleine nutzen darf.
    Das Kleine – ein lästiges Anhängsel?

    Betrachten Sie Ihr Zweitgeborenes nicht nur aus der Sicht Ihres Älteren, denn sonst wird es benachteiligt, noch bevor es geboren ist.


    Und wenn noch ein drittes oder viertes Kind kommt?

    … dann vergessen Sie bloß nicht Ihre mittleren Kinder, denn die verlieren (im Gegensatz zu den Großen) ihre Position als Nesthäkchen und damit müssen sie auch erst einmal fertig werden. Versuchen Sie, alle Kinder gleich zu behandeln und mit jedem mal etwas alleine zu unternehmen. Das ist bestimmt nicht einfach, aber sicherlich zu schaffen!


    mehrere Kinder – wo bleibt da die Partnerschaft?

    Leichter wird es in der Partnerschaft bestimmt nicht mit dem zweiten Kind. Die Frau wird immer mehr Mutter, denn zwei Kinder fordern mehr Zeit von ihr als eines – auch wenn der Vater ihr tatkräftig unter die Arme greift. Noch wichtiger als beim ersten Kind ist es nun, eine gemeinsame Nische zu finden, z.B. einmal im Monat ein Abend- oder ein Mittagessen ohne Kinder oder ein gemeinsamer Saunabesuch.



    Familie im Wandel
    Eine Familie, was ist das überhaupt?

    Sie werden sagen, das sind mein Partner, mein(e) Kind(er) und ich. Oder das sind mein(e) Kind(er) und ich. Und was ist mit Ihren unverheirateten Freunden ohne Kinder? Ab wann ist eine Familie eine Familie? Der nachstehende Artikel möchte Ihnen hier eine kleine Orientierungshilfe geben und zeigen, dass Ihre Familie - so außergewöhnlich sie auch sein mag - doch nicht so ungewöhnlich ist. Und nicht so neuartig.


    Drei Familien-Mythen

    Kein vorehelicher Geschlechtsverkehr

    Die Meinung, dass früher vorehelicher Geschlechtsverkehr aufgrund gesellschaftlicher und kirchlicher Normen und Sanktionen sowie wegen fehlender Verhütungsmittel eine Ausnahme war, ist falsch. Häufig wurde - auch in den 50er Jahren noch - während der Schwangerschaft die Frau geheiratet - dies stellte also den häufigsten Heiratsgrund dar.

    Mythos Großfamilie

    Früher war die Kindersterblichkeit sehr groß. Dadurch waren die Familien auch nicht viel größer als heute. In Bayern beispielsweise lag die durchschnittliche Haushaltsgröße um die Jahrhundertwende zwischen 4,3 (1925) und 4,7 (1900). Zudem arbeiteten und lebten in vielen Haushalten familienfremde Personen. Aus diesem Grund und wegen der hohen Müttersterblichkeit herrschten in der Vergangenheit Kleinfamilien und unvollständige Familien vor.

    Früher hielten die Ehen länger

    Früher wurden in etwa gleich viele Ehen durch einen frühen Tod eines Ehepartners aufgelöst wie heute durch Scheidungen. Deshalb gab es schon damals eine große Anzahl Alleinerziehender und Stieffamilien.


    Heute vorzufindende Familienformen

    Familienpsychologe Matthias Petzold unterscheidet sieben primäre Lebensformen in der heutigen Gesellschaft, wobei nicht notwendigerweise Kinder da sein müssen.


    Familienform & Beispiele:
    1.    normale Kernfamilie
    traditionelle Vater-Mutter-Kind-Beziehung
    2.    Familie als normatives Ideal
    Alleinstehende mit Orientierung an einem normativen Familienideal
    3.    kinderlose Paarbeziehung
    unfreiwillig oder aufgrund eigener Entscheidung kinderlose Paare
    4.    nichteheliche Beziehung mit Kindern (aber mit normativem Familienideal)
    moderne Doppelverdiener-Familie mit Kind(ern)
    5.    postmoderne Ehebeziehung ohne Kinder (aber mit Normorientierung)
    auf Berufskarriere und intime Partnerschaft bezogene Ehe ohne Kinder
    6.    nichteheliche Elternschaft ohne Orientierung an einer Idealnorm
    Wohngemeinschaften mit Kindern, Ein-Eltern-Familien
    7.    verheiratete Paare mit Kindern (aber ohne normatives Ideal)
    alternativ orientierte Eltern, die dennoch verheiratet sind
    Na, welchem Familientypen gehören Sie an? Da Petzold das wissenschaftliche Verständnis von Familie (aus psychologischer Sicht ist Familie eine soziale Beziehungseinheit, die sich besonders durch Intimität und intergenerationelle Beziehungen auszeichnet) um die subjektive Einstellung zu "Wir sind eine Familie" der Betroffenen erweitert, entsteht ein Bild heutiger Familienformen, das durch Pluralität geprägt ist. Demnach gibt es eigentlich keine Familienform, die es nicht gibt.

    Alleinerziehende

    Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass die meisten unter Familie immer noch die sogenannte Kernfamilie, also Vater, Mutter, Kind(er) verstehen. Bei Familien mit Kindern ist dies auch die "Regel": 80% der Kinder wachsen bis zu ihrem 18. Lebensjahr gemeinsam mit beiden Eltern auf. Und nur 13% aller Familien (verheiratete Paare mit und ohne Kinder und Alleinerziehende) sind Alleinerziehende. Hier stellen wiederum die Frauen den größten Anteil dar: 18% alleinerziehenden Vätern stehen 82% alleinerziehende Mütter gegenüber. Die soziale Lage der Letzteren ist aufgrund gesellschaftlich und kulturell tradierter Rollenvorstellungen wiederum für die Mütter als Familien- und berufstätige Frau schwieriger zu bewältigen als für Männer.


    Mutterbilder

    Die Mutter. Die Vorstellung der idealen Mutter war wohl nie ambivalenter als heute. So sieht sich die Frau und Mutter heute vor die Wahl gestellt, welches Mutterbild sie denn einnehmen wolle - zumindest wenn sie der Mittelschicht angehört.

    Das traditionelle Mutterbild

    Dieses Mutterbild hatte seine Blütezeit in den 1950er und 1960er Jahren: Mütter sollten verheiratet sein, ihren Beruf zugunsten der Kinder aufgeben und nahezu ausschließlich für die Erziehung, Versorgung und Betreuung der Kinder zuständig sein. In dieser Aufgabe geht die Mutter voll und ganz auf.

    Die Supermutter

    Dieses Idealbild wird von den Medien und feministischen Gruppierungen weit verbreitet: Frauen sollen und können attraktive Sexualpartnerinnen, beruflich erfolgreich, perfekte Hausfrauen und super Mütter sein. Hays (Psychologe?) fasst dieses Leitbild etwas überspitzt zusammen: "Diese Mutter kann mit der einen Hand einen Kinderwagen schieben und mit der andern die Aktentasche tragen. Sie ist immer gut frisiert, ihre Strumpfhosen haben nie Laufmaschen, ihr Kostüm ist stets frei von Knitterfalten, und ihr heim ist natürlich blitzsauer. Ihre Kinder sind makellos: Sie haben gute Manieren, sind aber nicht passiv, sondern putzmunter und strotzen vor Selbstbewusstsein"

    Das Drei-Phasen-Modell

    Dieses Mutterbild stammt in erster Linie aus den 1970ern und 1980ern: 1. Phase: Frauen sollten nach einer guten Schul- und Berufsausbildung ihren Beruf so lange ausüben, bis das erste Kind geboren ist, dann sollten sie sich ausschließlich um die Kindererziehung kümmern (2. Phase) und wenn die Kinder sie nicht mehr in hohem Maße brauchen würden, könnten die Mütter wieder berufstätig werden (3. Phase). Beachtenswert an diesem Bild ist, dass der Wiedereinstieg in den Beruf immer früher stattfindet und heute in den ersten Grundschuljahren oder Kindergartenjahren stattfindet.

    Die "neuen" Mütter

    ... sind vor allem Frauen aus der Mittelschicht, die nach der Geburt des ersten Kindes bewusst auf eine Berufsausübung verzichten. Sie folgen einem Leitbild, in dem Individualisierung, Selbstverwirklichung und Personalisierung in der Ausübung der Hausfrauen- und Mutterrolle realisierbar sind - eher als in der fremdbestimmten, rational geprägten und wettbewerbsorientierten Arbeitswelt, denn nur in der Familie können Frauen sie selbst sein und ihre eigenen Vorstellungen vom Leben realisieren.

    Das Mutterbild von Auf-Arbeit-Angewiesenen

    Hier ist es illusorisch, von Möglichkeiten der Selbstverwirklichung im Beruf, Karrierechancen oder ähnlichem zu reden - hier steht die Arbeitsplatzsicherung im Vordergrund. Frauen dieser Gruppe müssen quasi einem Leitbild folgen, das Erwerbstätigkeit und Mutterschaft vorschreibt und als miteinander vereinbar ansieht.

    Und, haben Sie Ihre ideale Mutterrolle gefunden? Ja? Aber Sie denken, das eine oder das andere schaffe ich doch nie im Leben? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Frauen. und dann gilt: machen Sie sich nichts draus! Andere Mütter sind auch nicht so perfekt, dass Sie das ideale Mutterbild voll und ganz leben können. Jeder hat seine Schwächen und Stärken - und die sollten Sie nutzen und sich nicht von einem Gefühl der Unzulänglichkeit übermannen lassen. Ihr Kind liebt Sie so wie Sie sind, wenn Sie es mit Ihrer Liebe umsorgen. Und vergessen Sie nicht: Sie sind nicht die einzige Bezugsperson für Ihr Kind - da gibt es noch einige andere: sei es der Papa oder die Oma oder die Erzieherin oder ein Freund von Ihnen. Wenngleich Sie einen großen Einfluss auf Ihr Kind haben, sind Sie nicht allein für die Entwicklung Ihres Sprösslings verantwortlich. Da fließen noch viele andere Faktoren mit ein!

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